Besuch beim Ministerialbeauftragten

Interview mit Wilhelm Kürzeder

Was ist eigentlich ein Ministerialbeauftragter?
Ein Ministerialbeauftragter ist ein ehemaliger Schulleiter, der in enger Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium die Schulen seines Aufsichtsbezirks koordiniert. Bei mir sind es 52 Schulen. Das heißt, ich versuche das, was das Kultusministerium sich überlegt hat, an die Schulen zu bringen und umgekehrt: Das, was die Schulen bewegt, und wo sie vielleicht Probleme haben, zum einen zu lösen oder es dann ans Kultusministerium weiterzugeben, damit dort darauf entsprechend reagiert werden kann. Eigentlich geht es darum, dass „Schule“ so reibungslos wie nötig und so optimal wie möglich abläuft. Sie soll für die Schülerinnen und Schüler so förderlich, wie es irgendwie geht, geführt werden.

Wie sind Sie Ministerialbeauftragter geworden?
Ich bin zunächst ganz normaler Lehrer gewesen und habe Deutsch und Katholische Religionslehre unterrichtet. Danach habe ich fünf Jahre im Kultusministerium in der Öffentlichkeitsarbeit gearbeitet. Ich war danach zuerst Konrektor und dann 17 Jahre lang Schulleiter an verschiedenen Schulen. Schließlich bin ich vom Ministerium zum Ministerialbeauftragten berufen worden.

Waren Sie lieber Lehrer oder sind Sie lieber Ministerialbeauftragter?
Ich bin auch noch als Ministerialbeauftragter Lehrer. Ich glaube, Schule kann man erst richtig verstehen, wenn man Lehrer ist. Was ich schon sehr vermisse – das gebe ich zu – ist selbst zu unterrichten. Das fehlt mir, weil ich keinen unmittelbar persönlichen Kontakt mehr zu den Schülerinnen und Schülern habe. Ich habe auch in dem Sinne kein Kollegium mehr, obwohl ich – rechtlich gesehen – Schulleiter der Realschule Wasserburg bin. Es ist trotzdem so, dass die Realschule Wasserburg einen Schulleiter hat. Das liegt daran, dass ich selbst nur sehr selten dort sein kann, weil ich eben viele Schulen betreuen muss. Das bedauere ich sehr und das fehlt mir auch ziemlich.

Sind sie mit ihrem jetzigen Beruf glücklich?
Ich glaube schon. Wobei Glück immer eine relative Angelegenheit ist. Mein jetziger Beruf ist ziemlich interessant, weil ich viele interessante Leute kennenlerne und vieles gestalten kann. Ich glaube zumindest, dass ich oft auch helfen kann, wenn es irgendwie Probleme gibt. Dann muss es ja einen geben, der versucht sie zu lösen. Eigentlich gelingt es fast immer eine Lösung zu finden; ob dann alle ganz glücklich sind, ist schwer zu sagen. Wichtig ist, zumindest einen Ansatz zu finden, der helfen kann.

Was macht Ihnen besonders Spaß?
Mir macht es dann Spaß, wenn ich das Gefühl habe, jemandem geholfen zu haben. Natürlich auch, wenn ich bei einer schönen Veranstaltung war und Schülerinnen und Schüler oder Lehrkräfte auszeichnen durfte.

Wussten sie schon als Kind, dass Sie Lehrer werden wollen?
Nein. Ich wusste auch als Schüler noch nicht, dass ich einmal Lehrer werden will. Dass hat sich erst nach dem Abitur ergeben und ich war, ehrlich gesagt, immer lieber Lehrer als Schüler. Ich habe es nie bereut. Ich würde auch immer wieder Lehrer werden. Es ist ein faszinierender Beruf. Man kann mit jungen Leuten viele schöne Dinge auf den Weg bringen und es ist außerdem toll, immer wieder zu erleben, was aus den Kindern wird.

Was machen sie gerne in ihrer Freizeit?
Ich laufe sehr viel. Ich bin auch schon Marathons gelaufen, aber zurzeit nur noch Halbmarathons, weil ich schließlich auch älter werde. Mir geht es dabei immer noch sehr gut. Man muss aber auch sehr viel und sehr hart trainieren. Ich lese dazu sehr viel. Früher habe ich für die Staatsbibliothek Bücher rezensiert. Von daher versuche ich ein wenig, literarisch auf dem Laufenden zu sein.

Was halten Sie von der modernen Technik?
Ich glaube, dass die moderne Technik in Schulen sehr wichtig ist. Denn sie eröffnet Möglichkeiten, die es früher nicht gab. Beispielsweise gab es früher immer Probleme Dinge zu veranschaulichen. Als ich studiert habe gab es an der Universität noch kaum Computer. Ihr werdet im Berufsleben mit dieser Technik konfrontiert. Es ist wichtig zu lernen, wie man mit der Technik umzugehen hat.

Sie sind seit fast 5 Jahren Ministerialbeauftragter.
Welche Ereignisse sind Ihnen in dieser Zeit besonders in Erinnerung geblieben?

Ich habe eine ganze Reihe von Schulleitern neu in das Amt begleitet. Das sind Dinge, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind. Auch in den 17 Jahren in meiner Zeit als Schulleiter gab es andere tolle Sachen. Zum Beispiel war es immer wieder schön, die Schüler der 10. Klasse zu verabschieden mit dem Wissen, dass aus ihnen mal etwas wird.

Ist Ihnen eine Entscheidung schon einmal besonders schwer gefallen?
Ja, mir fallen Entscheidungen immer dann schwer, wenn ich weiß, dass derjenige, den es vielleicht betrifft, mit der Entscheidung nicht zufrieden sein wird, aber es zum Beispiel rechtlich nicht anders möglich ist. Besonders schlimm ist es dann, wenn auch noch Tränen fließen.

Auf was sind Sie besonders stolz?
Besonders stolz bin ich auf meine Schulen, weil ich glaube, dass sie ihre Aufgaben sehr gut machen.

Haben Sie einen guten Rat für uns?
Nehmt das mit, was die Schule euch bietet, und nutzt die Möglichkeiten, die man euch zur Verfügung stellt. Bleibe aber dennoch du selbst, denn so wird man am glücklichsten.

 

Hier unser Voigas-Interview mit MB Kürzeder.